Eine Frage: Was macht man, wenn man eine Straftat feststellt und den Täter weiß? Beweise zum Täter sammeln und den Täter anzeigen? Ja, das wäre logisch, aber nicht im Sinne der Chemtrail-Gläubigen. Wenn es nach ihnen geht, muss erstmal die ganze Welt erfahren, dass es die Straftat gibt. Dazu werden Flyer verteilt und Aktionen gestartet. Es werden kostenpflichtige Vorträge dazu gehalten, Literatur, DVDs und irgendwelche Mittelchen verkauft, die gegen solche Straftaten wirken könnten, Spenden eingenommen, usw. Dazu wird gejammert und gegen jeden geschimpft, der darauf hinweist, dass man doch mal an den Täter ran soll. Und überhaupt sind alle böse. Jeder, der aufgrund der unzureichenden Fakten bezweifelt, dass es die Straftat gegeben hat, wird nun aufgefordert, zu beweisen, dass es die Straftat nicht gegeben hätte.
Aber der Täter wird natürlich vertuscht, denn sonst
müsste man ja damit rechnen, dass jemand anders Maßnahmen gegen ihn ergreift.
Irgendwann (wenn man daran nichts mehr verdient) ergreift man vielleicht auch Maßnahmen gegen den Täter. Vielleicht.
Im Gegensatz zu anderen Verschwörungstheorien hat man es jedoch bei den Chemtrailmärchen ganz einfach: Man sieht nicht nur die Kondensstreifen, sondern man sieht auch die Täter, die Verursacher, wenn man sie sehen möchte. Ursache und Wirkung liegen also - wie auf dem Silbertablett präsentiert - vor bzw. über uns. Das ist dem Chemtrail-Gläubigen aber egal; er beschäftigt sich mit allem, was irgendwie mit den Chemtrails zu tun haben könnte (die Betonung liegt auf "könnte"). Da sind dann Spinnweben schon mal Polymerfäden, gebrochenes Licht an Eiskristallen ist Fallout, Hochdruckgebiete sind getarnte Chemtrails, Tiefdruckgebiete sind manipuliertes Wetter, usw. Natürliches gibt es nicht mehr; es ist alles eine Folge der Sprühereien.
Und die Täter, die Verursacher, die Flugzeuge? Da man aus denen keinen Nutzen schlagen kann, sind die egal und können ruhig weiter sprühen. Alles andere ist wichtiger, da manipulierend und Geld bringend.
Was aber tut man normalerweise, wenn man davon ausgeht, dass man, um Folgen zu beseitigen, an die Ursachen und Verursacher heran muss und wozu man nach § 323c StGB (Unterlassene Hilfeleistung) sowie § 138 StGB (Nichtanzeige geplanter Straftaten) möglicherweise sogar verpflichtet wäre?
Beweise schafft man nicht, indem man einfach in der ganzen Welt herumerzählt, wie böse die Welt ist. Nein, die Beweise sind über uns am Himmel. Wenn man behauptet, dass Chemikalien ausgebracht werden, muss man dort in den Streifen Proben nehmen und diese untersuchen (lassen). Möglichkeiten werden immer wieder genannt:
Mit dem DLR zusammenarbeiten, das Messungen in den Kondensstreifen durchführt.
Es gibt viele Privatprojekte, bei denen Wetterballone in große Höhen geschickt werden (Beispiel 1, Beispiel 2, Beispiel 3, Beispiel 4, Beispiel 5, Beispiel 6, Beispiel 7, Beispiel 8, Beispiel 9). Solch ein Projekt könnten die Chemtrail-Gläubigen auch starten. Das Argument, dass man das nicht so einfach dürfe, ist Quatsch, wie man an den vielen anderen Projekten sieht. Man gibt der DFS die Daten zum Standort und zum gewünschten Starttermin, die DFS prüft, ob Gefahr im Luftraum besteht, ruft zurück und schon kann es losgehen. Da ja angeblich der ganze Himmel durch die Chemtrails verschmiert ist, wird man den wohl auch treffen. Wird man fündig, hat man schon mal den Nachweis, dass dort überhaupt etwas ist, was nicht hingehört.
Nur mal ein (schnell zusammengeschustertes) Beispiel, wie man an die Sache herangehen könnte:
Sicher kann und muss das alles noch etwas verfeinert werden. Der Verein zum Schutz der Lebensqualität in Flörsheim e. V. geht zum Beispiel ganz professionell vor und nutzt den DustTrak™ DRX-Aerosolmonitor, den man auch mit einem Ballon nach oben schicken könnte. Aber als Grundlage sehen wir, in welchen Dimensionen sich das bewegen kann - hier sind es Kosten unter 500,00 EURO. Dabei hat man sogar noch Gas für weitere Ballonprojekte übrig. Eine angeblich so große Bürgerinitiative "Sauberer Himmel" kriegt das Geld allerdings offenbar nicht zusammen - was macht Herr Storr mit den Spenden und Einnahmen aus Verkäufen? Oder: Will man überhaupt etwas nachweisen?
Seit längerer Zeit gibt es in Foren auch immer mal wieder Angebote von Privatpiloten,
dass Chemtrail-Gläubige zum Selbstkostenpreis an den Himmel mitkommen können. Das bewegt sich im Bereich von 200 bis ca. 500 €, was also keine zig tausend € sind.
Abgesehen davon sind in Fliegerforen auch (Privat-) Piloten unterwegs (welch Wunder). Diese müssen ihre Flugstunden erbringen, was ihnen Kosten verursacht. Wenn man fragt, ob man
mal von einem Piloten für eine Probenentnahme mitgenommen wird und dafür einen kleinen Obolus entrichtet, wird man garantiert bereitwillige Piloten finden. Schließlich schmälert das die Kosten,
die den Piloten sowieso entstehen.
Und wer behauptet, dass die Chemie über die Triebwerke versprüht wird bzw. die Chemikalien im Treibstoff enthalten sind, kann sich ruhig mal zu den Spottern am Flughafen gesellen und dort Proben nehmen. Denn da die Triebwerke auf dem Flughafen bereits an sind, müsste da ja auch schon etwas herauskommen. Bei der Gelegenheit könnten die Chemtrail-Gläubigen auch gleich ihre Fragen zu Flugzeugen loswerden und sich die Flugzeuge mal etwas genauer ansehen.
Das sind alles realisierbare Vorhaben - andere Leute machen das ja auch. Und somit hätte man Nachweise, also Fakten. Aber diese Fakten werden bestmöglich vertuscht; stattdessen sucht man am Boden, wo Partikel sonstwoher kommen können (siehe Saharastaub über Deutschland) und keine Zuordnung zu Flugzeugen getroffen werden kann.
Wie die einfachen Chemtrail-Gläubigen gezielt von der Wahrheit abgelenkt werden, sieht man sehr gut an der Regenwasseraktion des Sauberen Himmels. Dort haben 72 Teilnehmer jeweils mehr als 50 € aus eigener Tasche bezahlt, um Regenwasserproben analysieren zu lassen. 72 x 50 sind 3600 € - für Proben, die sinnlos sind, weil Partikel am Boden von sonstwoher kommen können. Eine einfache Probe vom Ort des Geschehens, vom Himmel, wäre schon für 500 € drin. Aber genau davon muss man eben ablenken. Der Saubere Himmel hat hier die einfachen Chemtrail-Gläubigen gezielt auf einen falschen Weg geführt.
Die Streifen und deren Verursacher werden wie auf dem Silbertablett präsentiert. Deshalb sollte man doch wenigstens auf die Idee kommen, sich den Ort mal genauer anzugucken, wo die Ursache des vermeintlichen Übels ist. An einer anderen Stelle ist beschrieben, wie man Flightradare, Kameras und die eigenen Augen nutzen kann, um die Flugzeuge zu erkennen. Das ist überhaupt kein Problem - sehr viele Leute machen das aus reinem Hobby. Und wenn man dann das Flugzeug identifiziert hat, kann man die Flüge auch erfassen:
"Flug: XY0000
Airline: Mustergesellschaft
Flugzeug: Boeing XYZ
Kennung: XY-0000
Flughöhe: XY ft
Flug von A nach B
Zeitpunkt: 30.02.2012 13:56
Beobachtungsort: Musterhausen
Nahaufnahme: http://www.example.org/foto1_nah.jpg
Weitwinkelaufnahme: http://www.example.org/foto1_weit.jpg"
Aber auch solch eine Dokumentation sucht man bei den Chemtrail-Gläubigen vergeblich, obwohl der WWF Herrn Storr dazu schon eine Aufforderung schickte. Die Verursacher der Streifen werden bestmöglich vertuscht.
Der Grund dürfte auch klar sein: Man könnte sonst keine wilden Spekulationen aufstellen. Wenn man nämlich merkt, dass die Streifen nur von Airlinern und Frachtern stammen (abgesehen von einigen TRAs, wo das Militär ab und zu übt), ist es hinfällig, irgendwelche Militärflugzeuge dafür verantwortlich zu machen.
Hat man die Zusammensetzungen und die Verursacher, ist es nun ganz leicht, Maßnahmen zu ergreifen. Diese könnten sein:
Damit wäre es möglich, das konkrete Flugzeug daraufhin zu untersuchen, wie und was ausgebracht wurde. Fertig.
Stattdessen wird nur in der Öffentlichkeit herumgejammert, alle möglichen Leute (vor allem die, die nicht zugeben, das gesprüht wird) werden wegen irgendetwas beschuldigt. Damit wird eine Verzögerungstaktik durchgeführt, innerhalb derer die tatsächlich wichtigen Fakten vertuscht werden. Wenn wirklich gesprüht würde, würde man so dafür sorgen, dass die Täter weiter ungestört ihr Werk verrichten könnten sowie in Kauf nehmen, dass immer mehr Menschen immer mehr unter den Folgen litten. Und dabei muss man noch beachten, dass an der Spitze der so genannten Bürgerinitiative "Sauberer Himmel" ein Rechtsanwalt steht, der eigentlich wissen müsste, wie man vorgeht und dass es auch Unterlassungsdelikte gibt. Aber auch er vertuscht und verzögert lieber mit ablenkenden Maßnahmen, als dass er sich dem eigentlichen Problem widmet.
Beispiel: Man geht davon aus, dass gesprüht wird, wobei der Luftraum über Deutschland zu Deutschland gehört. Durch das Sprühen wird durch Fallout alles vergiftet, was sich am Boden befindet - sagen die Chemtrail-Gläubigen.
§ 314 StGB (Gemeingefährliche Vergiftung) sagt dazu:
1) Mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren wird bestraft, wer
1. Wasser in gefaßten Quellen, in Brunnen, Leitungen oder Trinkwasserspeichern oder
2.Gegenstände, die zum öffentlichen Verkauf oder Verbrauch bestimmt sind,
vergiftet oder ihnen gesundheitsschädliche Stoffe beimischt oder vergiftete oder mit gesundheitsschädlichen Stoffen vermischte Gegenstände im Sinne der Nummer 2 verkauft, feilhält oder
sonst in den Verkehr bringt.
Und § 138 StGB (Nichtanzeige geplanter Straftaten) besagt:
(1) Wer von dem Vorhaben oder der Ausführung
[…]
8. einer gemeingefährlichen Straftat in den Fällen der §§ 306 bis 306c oder 307 Abs. 1 bis 3, des § 308 Abs. 1 bis 4, des § 309 Abs. 1 bis 5, der §§ 310, 313, 314 oder 315 Abs. 3, des § 315b Abs. 3 oder der §§ 316a oder 316c
zu einer Zeit, zu der die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann, glaubhaft erfährt und es unterläßt, der Behörde oder dem Bedrohten rechtzeitig Anzeige zu machen,
wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
Glaubt also ein Chemtrail-Gläubiger selbst nicht daran ("glaubhaft erfährt"), macht er sich möglicherweise durch Nichtanzeige geplanter Straftaten strafbar, oder wie?
Die so genannte Bürgerinitiative "Sauberer Himmel" nimmt Spenden ein und verkauft Aufkleber und Flyer. Doch was passiert mit dem Geld? Privatleute geben Geld aus, um Plakate, Poster, o. ä. bedrucken zu lassen. All das Geld könnte man viel sinnvoller anlegen, indem man zum Beispiel die oben genannten Maßnahmen durchführt. Dann wäre man direkt am verdächtigen Objekt und man könnte nachweisen, wenn dort etwas wäre. Aber nein, da wird lieber bestmöglich abgelenkt und vertuscht.
Fakt ist allerdings auch, dass dieses Vertuschungssystem funktionieren muss. Würden sich die Chemtrail-Gläubigen nämlich davon überzeugen, wie die Realität am Himmel ist, würden die Grundlagen dieser Verschwörungstheorie wegbrechen und somit wären auch die Spekulationen hinfällig. Was das wiederum heißt, dürfte auch klar sein: Alles, was in Bezug auf Chemtrails momentan verkauft wird, würde dann kein Geld mehr einbringen. Und diverse Leute mit einer bestimmten Gesinnung könnten auf diesem Weg nicht mehr manipulieren.
Wir sehen jedoch auch, dass die Verschwörungstheorie von den Chemtrails eigentlich die ist, bei der man sich selbst am leichtesten vom Wahrheitsgehalt überzeugen und Maßnahmen einleiten könnte. Daraus, dass dennoch manche Leute an diese Märchen glauben, kann man schon Schlüsse ziehen.