Ob zwei Flugzeuge auf gleicher Höhe unterwegs sind, kann man von unten nicht feststellen. Erstens täuscht die Perspektive (es sind immerhin um die 10 - 11 km Entfernung), zweitens kann man nur mit dem Auge die Flugzeugtypen nicht erkennen. Fliegt unten ein Canadair Regional Jet (kleines Flugzeug) und oben eine MD-90 (recht großes Flugzeug), kann es durchaus aussehen, als ob sie in gleicher Höhe unterwegs wären - dabei sind sie nur unterschiedlich groß. Ein Beispiel für solch einen Irrtum finden Sie auf http://www.bildblog.de/26819/ueber-den-wolken-und-ueber-die-perspektive/. Und mehr zu den Dimensionen bzw. Perspektiven am Himmel können Sie hier erfahren: How Far Away is That Contrail?.
Aber nun zu den Streifen:
Bei der Luft ist es wie bei einem Glas Wasser: Ist es voll, passt nichts mehr hinein und es läuft über.
Zunächst muss man davon ausgehen, dass es Jets in völlig unterschiedlichen Größen gibt (Vergleich Boeing 737 und 777: http://www.flickr.com/photos/nustyr/6798668668/in/photostream/lightbox/). Deshalb ist es auch normal, dass die Mengen der Abgase extrem unterschiedlich sind. So wird zum Beispiel ein kleiner Biz-Jet für fünf Leute wesentlich weniger Abgase haben, als es bei einem mit 500 Passagieren besetzten A80 der Fall ist. Man kann das auch gut am rechten oberen Bild mit den drei Flugzeugen sehen, das an einem Tag aufgenommen wurde, als die Luft ausnahmsweise tatsächlich durchgehend ziemlich trocken war. Dort hinterlässt der A380 einen wesentlich größeren Streifen als die Boeing 737 und der A320.
Aber es ist natürlich auch sehr stark von den Wetterbedingungen abhängig:
In den unterschiedlichen Höhen gibt es unterschiedliche Luftmassen. Diese haben unterschiedliche Temperaturen und unterschiedliche Luftfeuchtigkeiten.
Fliegt ein Flugzeug in einer Höhe mit trockener Luft, kann die Feuchtigkeit des Kondensstreifens gut aufgenommen werden und dieser ist sehr kurz oder
auch gar nicht vorhanden (ja, auch das gibt es, siehe oberer Flieger in der linken Abbildung). Ist ein Flugzeug ein paar hundert Meter darüber unterwegs, kann die Luft schon wieder ganz anders sein,
nämlich gesättigt. Da die Luft aber keine Feuchtigkeit aufnehmen kann: Wohin damit? An den Kondensationskernen, die das Flugzeug in den Abgasen gleich mitliefert,
bildet sich dann der Kondensstreifen, der sehr lange bestehen bleiben kann - so lange, bis die umgebende Luft diese Feuchtigkeit aufgenommen hat.
Das kann so einige Stunden dauern …
Im oberen Bild ist ein Vertikalschnitt zu sehen,
also die Verteilung der Luftfeuchtigkeit in der Höhe.
Bei ca. 300 hPa bis 200 hPa sind die Flugzeuge unterwegs.
Im grauen Bereich ist die Luft feuchter, im blauen Bereich trockener. Das heißt, dass ein Flugzeug, das im grauen Bereich unterwegs ist,
einen längeren Kondensstreifen hinterlässt, als ein Flugzeug, das im blauen Bereich fliegt.
Im unteren Bild sieht man auf dem Satellitenfoto einen Bereich mit Streifenbildung, gleichzeitig ist der Himmel, wie die Chemtrail-Gläubigen es ausdrücken, verschmiert. Stellt man nun auf den mit einem weißen Rahmen gekennzeichneten Bereich den Vertikalschnitt mit der Feuchtigkeitsverteilung in der Höhe, kann man sehen, dass es genau der Bereich ist, der mit einem dunkleren Grau gekennzeichnet ist.
Sind in diesem grauen Bereich nun Jets unterwegs, bilden sich genau dort die langen haltbaren Streifen, während sich die Streifen links und rechts von diesem Bereich recht schnell auflösen. Wäre dort ein dunklerer blauer Bereich, wäre die Luft sehr trocken, so dass sich in diesem Fall gar keine Streifen bilden würden.
Wenn man nun diese Vertikalschnitte von http://www.wetter3.de/vertikal.html für die nächsten Tage aufruft, kann man genau vorhersagen, wann wo lange Kondensstreifen zu erwarten sind. Natürlich muss man dabei beachten, dass es sich bei den Karten um Modellberechnungen handelt, sie also ähnlich wie Wettervorhersagen sind. Genau wie die Wettervorhersagen manchmal nicht genau eintreffen, können diese Karten auch mal ungenau sein. Allgemein gilt aber, dass die Karten umso genauer sind, je näher sie an einem Termin liegen.